Ausbildungsabbruch verhindern: Das können Unternehmen tun

Eine qualifizierte Ausbildung ebnet den Weg für eine erfolgreiche berufliche Zukunft. Doch nicht immer läuft dabei alles rund. Immer wieder passiert es, dass junge Auszubildende sich mit ihrer neuen Rolle als Erwerbstätige so unwohl oder überfordert fühlen, dass sie ihre Ausbildung vorzeitig abbrechen. Dem Berufsbildungsbericht 2019 zufolge wurde zuletzt sogar jedes vierte Ausbildungsverhältnis vorzeitig beendet. Das stellt nicht nur für die Azubis selbst, sondern auch für die Ausbildungsbetriebe eine enorme Belastung dar.

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Rund jedes vierte Ausbildungsverhältnis in Deutschland endet vorzeitig – das geht aus dem Berufsbildungsbericht 2019 hervor.

Gründe für den Ausbildungsabbruch

Die Ursachen, weshalb junge Erwachsene ihre Ausbildung abbrechen, sind vielfältig. So können persönliche Gründe wie familiäre Probleme, Krankheit oder ein Umzug für einen Ausbildungsabbruch verantwortlich sein. In seltenen Fällen zwingt die unerwartete Insolvenz des Ausbildungsbetriebs den Azubi dazu, seine Ausbildung zu wechseln. Manche fühlen sich auch von den schulischen Anforderungen überfordert.

Die große Mehrheit der Ausbildungsabbrüche resultiert jedoch aus unternehmensbezogenen Ursachen. So haben sich die Azubis ihren Ausbildungsberuf oft ganz anders vorgestellt und wurden im Vorfeld nicht ausreichend über ihre zukünftige Tätigkeit im Betrieb informiert. Dann ist die Ernüchterung so groß, dass der Ausbildungsabbruch die einzige Alternative zu sein scheint.

Viele sind auch mit ihren Ausbildern, Kollegen oder Vorgesetzten unzufrieden, fühlen sich missverstanden, nicht ausreichend integriert oder ungerechtfertigter Kritik ausgesetzt. Wenn die Ausbildungsvergütung dann noch eher mager ausfällt und viele Überstunden geleistet werden müssen – womöglich sogar unbezahlt –, verwundert es kaum, dass die Auszubildenden den Ausbildungsabbruch nicht selten als einzigen Ausweg erachten.

Erste Anzeichen für einen möglichen Ausbildungsabbruch

Insgesamt 66% aller Ausbildungsabbrüche ereignen sich im ersten Ausbildungsjahr. Aber auch im zweiten und dritten Lehrjahr kann es immer wieder passieren, dass die Azubis so unzufrieden mit ihrer Arbeit sind, dass sie ihre Ausbildung doch noch an den Nagel hängen.

Hier sind die Unternehmen dazu aufgerufen, drohende Ausbildungsabbrüche frühzeitig zu erkennen und so noch rechtzeitig abzuwenden. Hinweise für einen möglichen Ausbildungsabbruch können sein:

  • Mangelnde Motivation und Lustlosigkeit: Während der Azubi zum Ausbildungsbeginn nur so vor Tatendrang strotzte und mit Eigeninitiative glänzte, scheint er plötzlich lustlos und unmotiviert. Sein mangelnder Einsatz zeugt davon, dass die Aufgaben, die man ihm überträgt, keinen Spaß machen und eher eine Last darstellen.
  • Häufiges Zuspätkommen und steigende Fehlzeiten: Der Azubi kommt häufig zu spät oder meldet sich wiederholt für ein oder zwei Tage krank. Die Begründungen für die gehäufte Abwesenheit scheinen wenig glaubwürdig. Es kommen berechtigte Zweifel daran auf, ob der Auszubildende tatsächlich wegen Arbeitsunfähigkeit fehlt.
  • Unzuverlässigkeit und Überforderung: Der Auszubildende erledigt Aufgaben, die man ihm überträgt, schlechter als es bei seinem Leistungsstand zu erwarten wäre. Er scheint selbst mit einfachen Aufgaben bereits überfordert zu sein.

Wenn Sie dieses oder ähnliches Verhalten an Ihrem Auszubildenden beobachten können, sollten Sie ein klärendes Gespräch unter vier Augen suchen. Machen Sie Ihrem Lehrling dabei keine Vorwürfe, sondern zeigen Sie Verständnis für seine Situation und bieten Sie Hilfe an. Manchmal kann es sein, dass Ausbildungsbetrieb und Auszubildender einfach nicht zueinander passen. Dann muss ein Ausbildungsabbruch kein Beinbruch sein. Es ist dann meist sinnvoller, dem Ganzen frühzeitig ein Ende zu bereiten und gemeinsam einen Plan B zu suchen.

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Abwechslungsreiche Aufgaben und mehr Eigenverantwortung stärken das Selbstvertrauen der Auszubildenden und wirken motivationssteigernd.

So vermeiden Sie Ausbildungsabbrüche

Damit die jungen Auszubildenden erst gar nicht in die Situation geraten, einen Ausbildungsabbruch in Erwägung zu ziehen, sollten Ausbildungsbetriebe das Arbeitsumfeld der Azubis so angenehm wie möglich gestalten. Wir haben die wichtigsten Tipps für Sie zusammengefasst, um die Motivation Ihrer Lehrlinge langfristig zu erhalten und Ausbildungsabbrüche zu verhindern.

Umfangreiches Informationsangebot vor der Ausbildung

Damit die jungen Erwachsenen nicht direkt zu Beginn ihrer Ausbildung enttäuscht werden, ist es wichtig, potentielle Azubis schon vor Ausbildungsbeginn umfassend über die spezifischen Anforderungen im Betrieb und zukünftige Aufgaben zu informieren. Vorträge an Schulen, Arbeitsplatzbesichtigungen und Kurzpraktika bieten interessierten Jugendlichen gute Gelegenheiten, um sich einen ersten Eindruck vom Betrieb zu verschaffen und für sich selbst herauszufinden, ob das Unternehmen wirklich zu einem passt.

Teambuilding-Maßnahmen

Gerade für junge Erwachsene, die direkt nach ihrem Schulabschluss eine Ausbildung beginnen, ist es oft nicht leicht, im Berufsleben Fuß zu fassen. Alles ist neu und ungewohnt und die Scheu, aktiv Kontakt zu Kollegen zu suchen, ist groß. Fördern Sie die Integration Ihrer Auszubildenden, indem Sie Teambuilding-Events veranstalten, den Kontakt zu anderen Auszubildenden fördern und diesen einen persönlichen Ansprechpartner zur Seite stellen, den sie jederzeit um Rat fragen können.

Regelmäßige Feedback-Gespräche

In regelmäßigen Feedbackgesprächen sollten die Ausbilder ihren Schützlingen eine Rückmeldung zu den bisher erbrachten Leistungen, dem Lernfortschritt und den erreichten Etappenzielen geben. Dabei sollten auch die Auszubildenden selbst die Möglichkeit erhalten, Wünsche zu äußern und konstruktive Kritik auszuüben. So lassen sich kleinere Unstimmigkeiten frühzeitig beseitigen.

Lob, Kritik und Wertschätzung

Kaum etwas ist motivierender als ehrliches Lob, Anerkennung und Wertschätzung. Teilen Sie Ihrem Auszubildenden mit, was für eine Bereicherung er für das Unternehmen ist und zeigen Sie ihm, dass er schon jetzt ein wichtiger Teil Ihres Unternehmens geworden ist. Auch Kritik kann motivierend wirken – aber nur, wenn sie konstruktiv und wirklich gerechtfertigt ist.

Langeweile vermeiden, Verantwortung übertragen

Eintönige Anforderungen ohne jeden Anspruch werden Ihren Auszubildenden mindestens genauso schnell die Begeisterung nehmen wie chronische Überforderung. Scheuen Sie sich deshalb nicht, Ihren Auszubildenden abwechslungsreiche Aufgaben zu stellen und dabei ruhig bereits ein gewisses Maß an Verantwortung zu übertragen. Das stärkt das Selbstvertrauen, fördert die Eigeninitiative und wirkt motivierend.

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Die Jugend- und Auszubildendenvertretung kümmert sich um die Belange der jugendlichen Arbeitnehmer und Auszubildenden im Betrieb. Sie hat immer ein offenes Ohr für Fragen und Probleme der Auszubildenden.

Ausbildungsabbruch verhindern: Die JAV als Berater

Die Jugend- und Auszubildendenvertretung trägt entscheidend zu einem guten Betriebsklima für die Azubis in einem Unternehmen bei. Dabei handelt es sich um die Interessenvertretung aller jugendlichen Arbeitnehmer sowie aller Auszubildenden unter 25 Jahren. Die JAV kann eingerichtet werden, sobald ein Betrieb mindestens fünf jugendliche Arbeitnehmer und / oder Auszubildende unter 25 Jahren beschäftigt.

Um sich erfolgreich für die Belange der Jugendlichen einsetzen zu können, müssen die Mitglieder der JAV die Rechte und Pflichte der Auszubildenden in einem Betrieb genau kennen. Praxisorientierte Seminare und Schulungen vermitteln das dafür erforderliche Wissen. Dabei werden auch Konflikte zwischen Azubis und Vorgesetzten zur Sprache kommen. Ferner wird aufgezeigt, wie sich diese in einem vertrauensvollen, konstruktiven Gesprächsklima lösen lassen. So kann die erfolgreiche Arbeit der JAV auch Ausbildungsabbrüche gezielt verhindern.